Remote Care

Die Zahl der mit einem Cochlea-Implantat jährlich versorgten Patienten liegt in Deutschland inzwischen bei rund 3.500 – mit steigender Tendenz. Allein hier an der Medizinischen Hochschule in Hannover werden pro Jahr mittlerweile rund 500 hochgradig schwerhörige oder ertaubte Patienten mit einem Cochlea-Implantat versorgt. Viele von ihnen möchten allerdings gern an ihren Heimatorten die Nachsorge wahrnehmen – ohne auf die Kompetenz der versorgenden Klinik zu verzichten. Daraus entstand die CI-Fernanpassung „Remote Care“. Dabei ist es Patienten möglich, in ihrer Heimat bei einem niedergelassenen HNO-Arzt eine streng qualitätsgesicherte Cochlea-Implantat-Anpassung via Fernanpassung durchführen zu lassen.

Zum Einsatz kommt dabei eine Technologie des Unternehmens auric Hörsysteme aus Rheine. Für die CI-Fernanpassung stellt auric ein mit dem Deutschen HörZentrum Hannover neu entwickeltes System zur Echtzeitfernanpassung mit hochauflösendem Videobild zur Verfügung. Der PC auf der Seite des Audiologen ist mit zwei Monitoren ausgestattet, der Patient verfügt über einen Bildschirm, auf dem für den Patienten der anpassende Audiologe im Videobild zu sehen ist. Die Kommunikation ist über Mikrofon und Freifeld-Lautsprecher beziehungsweise Head-Sets möglich. Bei Verständigungsschwierigkeiten steht auch eine Chat-Funktion über Tastatur zur Verfügung.

 

Auf der Patientenseite steht technisch geschultes Personal bereit, das den Anschluss des Sprachprozessors an das Fernanpassungs-System herstellt und die Anpassung begleitet. Die Anpassung erfolgt durch einen erfahrenen Audiologen, in der Regel durch Mitarbeiter des Deutschen HörZentrums Hannover. Aufgrund der schnellen Reaktionszeit und der hohen Bild- und Tonqualität des Fernanpassungssystems wirkt die Anpassung für den Patienten fast so, als säße er dem Audiologen gegenüber. Auch für den Audiologen „fühlt“ sich die Bedienung der Einstellsoftware völlig normal an.

Ist die Einstellung abgeschlossen, folgen die bekannten Hörtests. Die Testumgebung in der HNO-Praxis entspricht den Vorgaben des DHZ, damit eine Vergleichbarkeit mit vorangegangenen Testergebnissen problemlos möglich ist. Am Ende der Sitzung werden die Testdaten automatisch in die zentrale Datenbank im DHZ geschickt, so dass eine lückenlose Dokumentation und Kontrolle der Hörleistungen des Patienten möglich ist. So kann die Datenbank sogar selbstständig unerwartet schlechte Ergebnisse erkennen und eine genauere Untersuchung der Ursache in Hannover vorschlagen. Die notwendige medizinische Betreuung der Patienten wird durch die am Netzwerk teilnehmenden niedergelassenen HNO-Ärzte sichergestellt.

Voraussetzung für die Patienten ist eine CI-Hörerfahrung von mindestens drei Jahren, nur dann kann eine möglichst stabile Einstellung vorausgesetzt werden. Patienten mit weniger Hörerfahrung empfehlen wir zunächst weiterhin den Besuch in der Klinik. Ebenso können Patienten, die auch künftig vor Ort im DHZ betreut werden wollen, natürlich gerne auch weiterhin ins DHZ kommen. Die Erstanpassungsphase verbleibt für alle an der MHH implantierten Patienten im Deutschen HörZentrum Hannover. Die hierfür erforderlichen, eng verzahnten Abläufe zwischen täglicher Anpassung, Therapie und medizinischer Kontrolle über einen Zeitraum von fünf Tagen sind nur von einem erfahrenen und eingespielten interdisziplinären Team unter Hinzunahme aller vom Patienten verfügbaren Daten realisierbar und können keinesfalls ausgelagert werden.