CI Basistherapie bei Erwachsenen

In acht Stufen zum Hören – Die CI-Basistherapie im Deutschen HörZentrum Hannover und in der HNO-Klinik der MHH

Die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) bedeutet für die meisten Betroffenen einen enormen Zuwachs an Lebensqualität: Sie können wieder hören und, was noch bedeutender ist, Sprache verstehen. Bis es aber soweit ist, bedarf es einer Eingewöhnungszeit an die neuen und ungewohnten Höreindrücke mit dem CI. Maßgeblich beschleunigt wird dieser Prozess durch Üben, Üben, Üben. Aus diesem Grund bietet die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) den Patienten, die mit einem CI versorgt wurden, eine fünftägige Basistherapie im Deutschen HörZentrum Hannover (DHZ) an.

Eine typische Basistherapiewoche besteht aus acht aufeinander folgenden Stufen, die mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden individuell auf die Lernfortschritte des Patienten ausgerichtet sind.

Die Basistherapie beginnt mit Hörübungen zur allgemeinen Klang- und Geräuschdifferenzierung. Der Patient lernt die Merkmale von Klängen und Geräuschen zu unterscheiden: Wie klingt eine Trommel? Wie eine Triangel? Und wie laut – oder leise – kann eine Rassel scheppern? Danach wird die Aufmerksamkeit auf melodische und rhythmische Sprachelemente gelenkt. Hier ist entscheidend, dass der Patient die Silbenanzahl im Wort erkennt und auch die Betonung eines Wortes.
Bei den Übungen zur Spracherkennung steht zunächst der isolierte Laut im Vordergrund. Der Patient erhält eine geschlossene Liste mit fünf Nonsens-Wörtern „Baat, Beet, Biit, Boot, Buut“. Nachdem der Patient diese Übung mit Hören und Lippenablesen bewältigt hat, wird diese nur mit Hören allein durchgeführt. Der Patient differenziert: „Was ist ein i?“ „Was ist ein e?“
In der nächsten Stufe wird die Konsonantenunterscheidung mit dem Patienten erarbeitet. Auch hier werden dem Patienten sechzehn Nonsens-Wörter in einer Liste vorgelegt, die von ihm erkannt werden sollen: „Handelte es sich um das Wort Asa oder Awa?“
Die Erfahrung zeigt, dass Patienten zuerst Zahlen verstehen. Der Zahlenraum bis Einhundert ist gut eingegrenzt und bietet die zu erwartenden Hörsignale.
Beim Wortverstehen gibt es zum einen die Wortunterscheidung in einer geschlossenen Liste. Zwei Wörter, die sich aufgrund der Silbenzahl, der Betonung und unterschiedlicher Vokale oder Konsonanten unterscheiden, werden dem Patienten angeboten. Der Patient versucht anhand der genannten Merkmale herauszuhören, welches Wort gesprochen wurde. Zu den Übungen zum Wortverstehen gehört es auch, dem Patienten Wörter zu einem Themenbereich zu nennen, z.B. „Geschirr“. Er vergleicht die Wörter „Messer“, „Gabel“ usw. mit dem genannten Wortfeld und erkennt es dadurch schneller.
Die nächste Schwierigkeitsstufe ist das Satzverstehen. Dabei ist die einfachste Form das Satzverstehen aus einer geschlossenen Liste. Als nächstes müssen einzelne Wörter in Lückensätzen über das Hören ergänzt werden. Als weiterer Schritt wird wieder ein Thema bekannt gegeben, zu dem dem Patienten unbekannte Sätze vorgesprochen werden, die er wiederholen muss.
Überleitend vom Satzverstehen wird mit dem Patienten das „Speechtracking“ durchgeführt. Hierbei werden Textphrasen aus einer fortlaufenden Geschichte vorgelesen, die vom Patienten nachgesprochen werden sollen. Diese Übung kann sowohl mit Lippenablesen als auch ohne durchgeführt werden.
Die nächsthöhere Stufe ist das Telefonieren. Der Patient ist räumlich von dem Therapeuten getrennt, und es werden ihm Sätze vorgesprochen, die wiederholt werden sollen. Ist dieses noch zu schwierig, kann auch hier eine Vorlage zur Hilfestellung dienen. Die Übung kann jedoch auch erschwert werden, indem der Patient nicht weiß, zu welchem Thema er angerufen wird. Mittlerweile hat sich die Technologie sehr verbessert, so dass das Sprachverstehen in der Erstanpassungswoche oftmals rapide ansteigt. Grenzen gibt es dann zumeist beim Sprachverstehen im Störgeräusch. Es finden somit vermehrt Übungen in geräuschvoller Umgebung statt, z.B. über spezielle Hörtrainings-CDs, die mit Hintergrundgeräusch unterlegt sind. Hier kristallisiert sich eigentlich schon eine Weiterentwicklung des Modells mit einer neunten Stufe heraus. Zur Unterstützung der Basistherapie sind unter Umständen Aufenthalte in einer Rehaklinik zur Intensivierung des Hör-Sprachtrainings und der CI-Einstellung erforderlich. Hierzu wurde eine spezielle Zusammenarbeit mit dem Cochlear Implant Centrum (CIC) „Wilhelm Hirte“ in Hannover sowie den Kliniken in Bad Nauheim und St. Wendel erarbeitet.