Arten von Schwerhörigkeit

Unter Schwerhörigkeit (Hypakusis) ist jede Situation zu verstehen, bei der das Hören als ein sicherer Kommunikationsweg mit der Außenwelt beeinträchtigt ist. Hierbei ist zwischen Hören und Sprachverstehen – insbesondere in Ruhe und bei Umgebungsgeräuschen – zu unterscheiden. Das bedeutet, dass viele Menschen trotz eines guten Sprachverstehens in Ruhe eine Beeinträchtigung bei Umgebungsgeräuschen haben können, sich aber dennoch als „normalhörend“ einschätzen. Aufgrund der fortschreitenden Natur vieler Arten von Schwerhörigkeiten ist eine rechtzeitige Differentialdiagnose oder Dokumentation der aktuellen Lage von enormer Wichtigkeit. Diese kann abgesehen von einer Momentaufnahme, die eventuell zu einer adäquaten Prävention oder Therapie führt, als zuverlässige Grundlage für eine optimale Therapieplanung in der Zukunft dienen.

Hörstörungen

Hörstörungen können in allen Bereichen des Ohres auftreten und werden entsprechend bezeichnet, je nach dem, in welchem Bereich sie verortet sind:

Hörstörungen, die im Mittelohr entstehen, lassen sich grundsätzlich operativ behandeln. Die einfachste Form der Behandlung, etwa bei einem Mittelohrerguss, ist der Trommelfellschnitt (Parazentese, evtl. inklusive Einlage von Paukenröhrchen). Bei chronischen Entzündungen (z.B. Cholesteatom) oder Verletzungen des Mittelohres durch Unfälle oder andere Erkrankungen (z.B. Otosklerose) kann die Entzündung durch eine Mittelohroperation beseitigt werden und der Aufbau der Gehörknöchelchenkette durch die behandelten eigenen Ossikel geschehen oder durch den Einsatz sogenannter passiver Prothesen. Das sind Implantate, die die Funktion der natürlichen Gehörknöchelchen ersetzen. Ein Beispiel ist die Stapesprothese als Ersatz für den Steigbügel.
Hörstörungen, die im Innenohr entstehen, können nur bei schnellem Fortschreiten medikamentös behandelt werden. Alle Hörstörungen, die über einen längeren Zeitraum langsam fortschreitend entstehen, werden in aller Regel mit Hörsystemen ausgeglichen. Dafür stehen konventionelle Hörgeräte zur Verfügung, die in den vergangenen Jahren sowohl in der äußeren Form als auch in der Technik enorme Fortschritte gemacht haben. Alternativ kommen teilimplantierbare und voll-implantierbare Hörsysteme infrage, die insbesondere ein gutes Sprachverstehen im Störgeräusch zulassen. Bei einer hochgradigen Innenohrschwerhörigkeit werden elektrische Hörprothesen, die so genannten Cochlea-Implantate (CI), verwendet. Ein CI wird von unseren Experten empfohlen, wenn trotz Hörgeräts Sprache nicht mehr gut verstanden wird. Da man bei kleinen Kindern das Sprachverstehen noch nicht testen kann, dienen die Ergebnisse der Hörprüfungen und anderer Untersuchungen als Entscheidungsgrundlage.
Bei einer kombinierten Schwerhörigkeit ist entscheidend, ob sich die Belüftungssituation des Mittelohres erfolgreich optimieren lässt. Wenn das so ist, müsste das für die Innenohrschwerhörigkeit anzupassende Hörgerät weniger verstärken. Neue Ansätze der Versorgung kombinieren passive Mittelohrimplantate (Ossikelersatz) mit aktiven Mittelohrimplantaten.
Ist bei einer Gehörlosigkeit der Hörnerv intakt, kann als Therapie ein Cochlea-Implantat eingesetzt werden. Ist der Hörnerv nicht intakt, kommt unter Umständen ein zentalauditorisches Implantat wie das Hirnstammimplantat (ABI) oder Mittelhirnimplantat (AMI) in Frage.